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Vom Regenschirm in der Messe und nassen Händen

An diesem Samstag ist nichts mit ausschlafen, emsiges Treiben begegnet einem heute früh in Kloster Ebernach an allen Ecken. In der großen Wohn- und Dienstleistungseinrichtung für Menschen mit Hilfebedarf wird gepackt, Sonnencreme geschmiert und Wasserflaschen verstaut, denn es könnte warm werden. Alle rüsten sich zur Wallfahrt ins belgische Banneux, einem kleinen Ort in den Ardennen, welcher Maria sich ausgesucht hat, um sich als die Jungfrau der Armen vorzustellen und einen Ort zu bereiten, wo Leid gelindert wird.

Im neuen Reisebus finden die Pilger alsbald einen Platz. Bei dieser inklusiven Wallfahrt sind jedoch nicht nur Bewohnerinnen und Bewohner aus Ebernach eingeladen, auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Familien, Ehrenamtliche und Freunde fahren mit. Ein großes Miteinander, das ganz bewusst von den initiierenden Seelsorgern gewünscht wurde. „Wallfahren soll nicht nur zu Gott führen, sondern auch die Menschen untereinander zusammen bringen,“ sagt Gemeindereferentin Patricia Alt, welche den gemeinsamen Gottesdienst im Wallfahrtsort mitgestaltet. Dieser ist auch der erste Höhepunkt nach der kurzweiligen Busfahrt mit viel Gesang, einigen besinnlichen Gedanken und Informationen zum Wallfahrtsort. Nach einem Anspiel zu Beginn der Wallfahrtsmesse, in dem Bewohnerinnen und Bewohner von ihren Unsicherheiten erzählen, steht der Psalm 23 vom guten Hirten im Zentrum. Alle zusammen überlegen, was die Aufgaben eines Hirten sind und durch einen kreativen Schirmimpuls spüren alle: Wir sind von Gott behütet und gesegnet. Damit wir diese Erfahrung nicht so rasch vergessen, werden alle Teilnehmer mit einem Segensschal beschenkt. Ein Segenslied mit Gesten, angestimmt und begleitet von Karin Thomas, die sich bereit erklärt hat, den musikalischen Teil der Wallfahrt mit ihren Talenten zu bestreiten, lässt uns diese wunderbare Zusage: Bleib behütet, noch tiefer verinnerlichen.

Nach dem Gottesdienst stärkt sich die fidele Gruppe mit einem Picknick, das die guten Geister aus der Ebernacher Küche vorbereitet haben. Am Nachmittag kann gebastelt und gemalt werden, doch die meisten zieht es hinaus aufs große Wallfahrtsgelände und in die Andenkenläden. Viele suchen den Quellbrunnen von Banneux auf und tauchen ihre Hände ins Wasser, füllen Wasserflaschen und entzünden Kerzen, ehe um drei Uhr alle Pilger des Tages gemeinsam bei der Segensandacht noch einmal den Zuspruch Gottes erhalten: Ihr seid gesegnet. „Wir möchten einen schönen, gemeinsamen Tag verbringen, der alle spüren lässt: Wir sind behütet und gesegnet, auch wenn wir manchmal Begrenzungen und Krankheit erfahren,“ sagte Br. Michael Ruedin bei der Begrüßung im Reisebus. Dank der vielen helfenden Hände und da Petrus seine Aufgabe strahlend erfüllt hat, ging dieser Wunsch in Erfüllung. Einen großen Beitrag zum Gelingen dieser inklusiven Wallfahrt trug die Bruder-Jakobus-Wirth-Stiftung bei, denn auf Betreiben von Gönnerin Barbara Carl wurde dieser Tag finanziell maßgeblich unterstützt. Kein Wunder, dass sich da die müde und erfüllte Pilgerschar auf der Rückfahrt einig ist: Es war ein gesegneter Tag.